Motlies

10 Luftfischer

10 Luftfischer
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Rider war ziemlich schüchtern. Da sie so klein war, mochte sie es nicht, im Mittelpunkt von so vielen, grossen Tieren zu stehen.

Daher fragte sie Herold, ob nicht besser er ihre Geschichte erzählen könnte. Sie war erleichtert und froh, als er ihrem Vorschlag zustimmte.

Herold wollte gerade mit seiner beeindrucktesten Erzählerstimme loslegen, als im Motley nochmals ein Schimmern zu sehen war.

„Hallo alle zusammen“, sagte eine muffelig aussehende Maus. „Tut mir leid, dass ich so spät dran bin, ich war verhindert. Wer sind all die neuen Gesichter?“

„Ich freu mich riesig, dich zu sehen“, sagte Rider.

„Gerade wollte Herold eines unserer Abenteuer erzählen. Natürlich wäre die Geschichte nicht dieselbe ohne dich.“

„Hallo Frause“, strahlte Herold glücklich. „Es ist ja schon eine Ewigkeit her, dass ich dich ge­sehen habe. Lass mich dich den anderen vor­ stellen.

Der Junge hier ist Albert. Er spricht tierisch und hilft mir hoffentlich, ein paar Antworten zu den Rätseln des Motley zu finden.

Die Giraffe heisst Gira, Erla ist die Elefantenkuh und Henry das Rentier.

Motlies, dies hier ist Frause, die Maus, er ist ausserdem Riders bes­ter Freund.

Ich glaube, es ist am besten, wenn ich die Geschichte erzähle, wie Rider und Frause sich getroffen haben.

Es war eine ziemlich ungewöhnliche Begegnung.“ Er zwinkerte Rider und Frause zu, räusperte sich und begann mit der Geschichte.

„Weit draussen auf dem grossen Meer, in einem Fischerboot, lebte Rider, die Spinne.

Wie jeden Tag sass sie an Deck und träumte da­von, eines Tages Fische mit ihren Netzen zu fangen.

Tag ein und Tag aus webte und knotete sie eifrig ihre Fischernetze.

Doch egal wie sehr sie auch versuchte, die Netze der Fischer zu kopieren, ihre Maschen waren nie fest genug.

Jedes Mal wenn sie ihre Netze über Bord warf, wurden sie von den mächtigen Wassermassen aufgelöst und ver­schwanden im Meer.

Rider war sehr traurig. Stimmte es denn nicht, dass sie die beste Netzknüpferin an Bord war? Waren ihre Netze wirklich zu gar nichts zu ge­brauchen? Sie fing an, bitterlich zu weinen.

Das hörte eine kleine, sehr muffelige Maus namens Frause und fragte Rider: “Hej, was ist los?”

Rider erklärte, dass sie traurig sei weil ihre Netze schlecht sind und sie ein recht nutzloses Dasein führte.

Die muffelige Maus Frause wurde daraufhin noch muffeliger.

„Was für ein Blödsinn ist denn das? Und ob du Talent hast. Reiss dich ge­fälligst mal zusammen“, brummelte Frause.

„Mach doch einfach das, was Spinnen ebenso tun!“. „Wie meinst du das?“, fragte Rider.

Frause stöhnte und sagte: „Deine Netze sind wunder­volle, filigrane Kreationen. Wer so was kann, hat Talent. Jedes Netz ist ein einzigartiges Kunstwerk!“.

Rider fühlte sich nach so viel Lob sofort besser.

Trotzdem war ihr nicht klar, wie sie ihr eigenes Essen fangen sollte.

Frause grummelte und sagte: „Fisch doch ein­fach in der Luft! Spinne Netze hoch oben in den Ecken des Bootes. So wirst du alle an Bord glücklich machen.

Du wirst diejenige sein, die dafür sorgt, dass die Fischer nicht mehr von Mücken zerstochen werden und die gefangenen Fische nicht durch Fliegen verderben.“

Rider war baff – was für eine prima Idee! Frause war wirklich eine schlaue Maus. Rider begann sofort mit ihrer Arbeit.

Nach einigen Stunden sah man wundervoll glän­zende Spinnenweben in den Ecken schweben.

Das Boot glänzte geheimnisvoll. Rider war glücklich.

Tatsächlich hatte alles so geklappt, wie Frause es vorhergesehen hatte!

Rider, die Spinne, dankte Frause, der Maus.

Sie begutachteten gemeinsam die Spinnenweben und staunten, wie kunstvoll und schön die Netze in der Abendsonne schimmerten.

Langsam wurde es Nacht und eine neue Freundschaft war er­wacht. Rider und Frause kuschelten sich zusammen und schliefen zufrieden unter den schönen Netzen ein.“

„Das war wunderschön!“, riefen die Motlies.

„Herold, du bist wirklich ein begabter Geschich­tenerzähler“, sagte Erla und die anderen stimm­ten ihr kopfnickend zu.

Gira wurde plötzlich ganz aufgeregt und wollte wissen, wie viele Motlies es gibt. „Wann wer­den wir alle treffen? Herold, du musst doch be­stimmt schon ganz viele andere Tiere kennen“, prustete sie aus.

Herold grinste, „Du hast Recht, ich kenne natür­lich noch weitere Motlies und ich bin mir sicher, dass ihr sie alle irgendwann mal treffen wer­det.

Manchmal sind einige Motlies verhindert, daher sind nicht immer alle während der Voll­mondnächte präsent.

Ausserdem versuchen Albert und ich weiterhin so viel wie möglich herauszufinden. Ich bin mir sicher, dass ihr bald noch viel mehr Freunde treffen werdet.“

Nach so viel Aufregung und neuen Eindrücken wurden sie alle müde.

Langsam machten sie sich bereit, wieder nach Hause zu reisen. Mit grossen Umarmungen und Gute­-Nacht­-Wünschen beendeten sie ihr erstes Vollmond­ treffen.

Die Luft begann zu schimmern und einer nach dem anderen verschwand aus dem Motley. Alle fragten sich schon jetzt, was für neue Freunde und Neuigkeiten das nächste Voll­mondtreffen mit sich bringen würde.


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