Motlies

6 Das Rentier mit Weihnachtserfahrung

Motlies: 6 Das Rentier mit Weihnachtserfahrung
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Albert sass in der Schule und hörte zu, wie der Lehrer erklärte, wie wichtig gesunde Ernährung ist und es besonders in der Winterszeit notwendig sei, genügend Vitamin C zu sich zu nehmen!

Albert hörte nur noch mit einem halben Ohr hin und begann, ein Spiel zu erfinden: er tat so, als ob er ein Tier sei und musste herausfinden, welches nahrhafte Futter zu welchem Tier passen würde.

Als erstes fiel ihm ein Affe ein, der Bananen essen könnte – das war einfach. Danach ein Krokodil, das gerne Fisch isst. Dann fand er, es wäre spassig, eine grosse Giraffe zu sein – und erinnerte sich an Giras Worte, dass sie die dornige Akazie liebt.

In Gedanken reiste er immer weiter nördlich und fragte sich, was Rentiere wohl essen, wenn ihre gesamte Umgebung im Winter mit Eis und Schnee bedeckt ist.

Bevor er den Gedanken beenden konnte, läutete die Schulglocke und die Schule war vorbei.

Sein Freund Karl wollte von ihm wissen, ob er Lust hätte mit ein paar anderen Freunden in der Halle Fussball zu spielen. Albert entschuldigte sich, weil er keine Zeit hatte und rannte nach Hause.

Zuhause angekommen, ass er einen leckeren Obstsnack, den seine Mutter vorbereitet hatte und rannte gleich darauf in den verschneiten Garten zum Motley.

Kaum hatte er an der Baumrinde ge­rieben, war er, schwupsdiwups, schon im Motley drin. Natürlich musste er nicht lange überlegen, wohin er reisen wollte. Er wollte mehr über Rentiere erfahren!

Er schloss seine Augen und konzentrierte sich ganz stark auf seinen Wunsch. Als er die Augen wieder öffnete, waren um ihn herum lauter Rentiere versammelt.

Albert grinste: „Das ist so mega grossartig“, rief er.

Albert stand mitten in der Tundra Grönlands. Die verschneite Landschaft sah unendlich aus, nur hier und da konnte man ein paar Tannen­wälder erkennen.

Die Rentiere sahen Albert fragend an. Das grösste Rentier, das Albert mindestens so gross wie ein Baum vorkam, sah ihn von oben nach unten an und fragte mit tiefer, rollender Stimme: „Und was genau ist so mega grossartig?“

Albert hüpfte vor lauter Schreck rückwärts und lächelte, als ihm klar wurde, dass die Tiere rentierisch sprachen.

”Hallo, ich heisse Albert. Ich bin hier, weil ich mehr von Euch wissen möchte. Ich will alles über die Tiere auf unserem Planeten lernen und damit meinem Freund Herold helfen, mehr über das Geheimnis des Motleys herauszufinden.

Und ich war schon immer total gespannt auf die Rentiere vom Weih­nachtsmann. Wer von euch hat ihn schon mal getroffen?

Die Rentiere prusteten und lachten – was für ein lustiger kleiner Mensch. Das grosse Rentier kam weiter nach vorne und räus­perte sich: „Willkommen, Albert, mein Name ist Henry.

Ich habe den Weihnachtsmann tatsächlich schon mehrmals getroffen.“ Henry sah schelmisch aus und wirkte leicht aufge­blasen, während er so breitspurig vom Treffen mit dem Weihnachtsmann sprach.

Andererseits hatte er ein sehr gewinnendes Lächeln und irgendwie war es lustig ihm zuzu­hören, wie er so augenzwinkernd erzählte.

Henry fing an über Rentiere zu berichten. Er be­nutzte eine viel tiefere Stimme als vorher und verzog sein Gesicht so, als ob er ein Rentier Professor wäre, der seinen Studenten einen wichtigen Vortrag hält:

“Man glaubt, dass es Rentiere schon während der letzten Eiszeit, vor ca. 15’000 Jahren auf der Erde gab.

Wir haben Klauen, die sich weit spreizen lassen. Das ist besonders hilfreich im Winter, denn die breite Trittfläche verkleinert das Risiko, das wir in den Schnee einsinken.

Ausserdem sind wir ausdauernde und schnelle Läufer. Unsere Schulterhöhe kann bis zu 1.5 m reichen und einige besonders schwere Kumpel können bis zu 315 kg wiegen.

Wir leben in Gruppen, die im Winter eher kleiner (4 – 30 Rentiere) als im Sommer sind. Unsere Herde wird entweder von einem männlichen oder weiblichen Tier geleitet. Es ist meistens das Rentier mit dem grössten Geweih, was also heisst, dass bei unserer Hirschart beide Geschlechter ein Geweih tragen!

Rentiere reisen im Sommer lange Strecken in Richtung Norden, da wir dort besser Nahrung finden. Im Winter reisen wir dann wieder in die mässigeren Gefilde, damit wir im Winter Schutz finden können.

Wir leben in der Tundra und ernähren uns hauptsächlich von Gras, Moos und Flechten.”

Albert war völlig aus dem Häuschen – obwohl er fliessend rentierisch sprechen konnte, war er nicht ganz sicher, ob er wirklich alle Fakten verstanden hatte, aber das könnte er ja später noch einmal mit Herold klarstellen.

Henry beendete seinen Vortrag, schnaufte einmal heftig und sagte dann mit seiner nor­malen Stimme: “Aber am allermeisten interes­sieren dich wohl meine Geschichten über den Weihnachtsmann und mich, hmm?“

Grinsend stimmte Albert zu. Nur zu gern würde er erfahren, wie der Weihnachtsmann mit den Rentieren über den Himmel saust und durch die Welt fliegt.

Henry schmunzelte und sagte: „Wenn du noch genug Zeit hast, kann ich dir von einem meiner Weihnachtsabenteuer berichten.“ Albert nickte eifrig.

Als Henry noch einmal tief nach Luft schnappte, um mit seiner Geschichte zu begin­nen, wurde er plötzlich durch eine tiefe, rauhe Stimme unterbrochen.

„Nein, nein und nochmals nein! Ich sollte diese Geschichte erzählen, nicht du, Henry!

Erzähle niemals deine eigene Geschichte, ansonsten könnte man meinen, du wolltest damit prahlen!“

… bald geht’s weiter – mit weihnachtlichen Flug-Eskapaden


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